Grundlage unserer strafvollzuglichen Tätigkeit in Baden-Württemberg bildet das Justizvollzugsgesetzbuch des Landes, das im dritten Buch in § 1 hinsichtlich der Zielsetzung folgendes bestimmt: „Im Vollzug der Freiheitsstrafe sollen die Gefangenen fähig werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen.“
Aus diesem Vollzugsziel ergibt sich für alle Verantwortlichen die Verpflichtung, während des Vollzuges von Freiheitsstrafen
alles Vertretbare zu unternehmen, was dazu beitragen kann, Strafgefangene vor einem Rückfall in Straffälligkeit zu bewahren und
sie für ein künftiges Leben in sozialer Verantwortung vorzubereiten.
Je besser das gelingt, umso eher werden auch künftige Straftaten und damit auch künftige Opfer vermieden. So schützt
gelungene (Re-)Sozialisierung auch die Allgemeinheit.
Nach §§ 112 ff Strafprozessordnung kann Untersuchungshaft angeordnet werden, um das gerichtliche Verfahren gegen Beschuldigte zu sichern, das heißt insbesondere zu verhindern, dass sie sich dem Verfahren durch Flucht entziehen oder Zeugen beeinflussen. Bei bestimmten Delikten kann auch Untersuchungshaft angeordnet werden, wenn der begründete Verdacht besteht, der Beschuldigte werde erneut eine vergleichbare Straftat begehen.
Die Justizvollzugsanstalt Offenburg verfügt über verschiedene Behandlungs- und Betreuungsangebote, angefangen von anstaltsinternen fachdienstlichen (z.B. psychologischen, sozialpädagogischen und seelsorgerischen) Angeboten bis zu ehrenamtlichen Gruppen durch Bedienstete und Externe.
Wir versuchen, mit den vorhandenen sächlichen und personellen Mitteln ein möglichst bedarfsgerechtes Spektrum anzubieten.
Zusätzlich zu den staatlich finanzierten Angeboten werden wir von der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. und der Manfred Lautenschläger-Stiftung unterstützt und
können so als Pilotversuch eine Behandlungsabteilung für Gefangene anbieten, die Problematiken sowohl im
Gewalt-/Sexualstrafbereich als auch im Suchtbereich aufweisen.
Das Projekt wird von der Universität Heidelberg evaluiert.
In der Justizvollzugsanstalt Offenburg gibt es folgende schulische Bildungsangebote:
- Integrationskurs
- Elementarunterricht
- Aufbauunterricht
- Hauptschulkurs
- Sprachkurs für arbeitende Gefangene
Diese Angebote gelten als „Arbeit“, für die geeignete Gefangenen zugelassen werden. Die Gefangenen erhalten dann eine Vergütung. Weiterführende Bildungsangebote bis zur Begleitung eines Fernstudiums werden für das gesamte Bundesland in der Justizvollzugsanstalt Freiburg vorgehalten.
Daneben gibt es in unserer JVA weitere Qualifizierungsmöglichkeiten in der Freizeit, z.B. das Erlernen von Fremdsprachen
Folgende berufliche Bildungsmöglichkeiten können in der Justizvollzugsanstalt Offenburg angeboten werden:
Fachlagerist
Fachlageristen und –lageristinnen sind für die Warenannahme, -prüfung und -lagerung zuständig. Sie stellen zudem Lieferungen für den Versand zusammen und verteilen Waren innerhalb des Betriebes. Die Ausbildungsdauer beträgt 2 Jahre.
Fachkraft Küche
Die Fachkraft Küche ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Gastronomiebereich mit einer Ausbildungsdauer von zwei Jahren. Fachkräfte Küche arbeiten in Restaurants, Hotels, Kantinen, Cateringbetrieben oder Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung. Sie unterstützen Köchinnen und Köche bei der Vorbereitung und Zubereitung von Speisen, übernehmen Schneide-, Gar- und Anrichtearbeiten und sorgen für einen reibungslosen Ablauf in der Küche. Außerdem kontrollieren sie Lebensmittel, lagern diese fachgerecht und achten konsequent auf Hygiene-, Sicherheits- und Qualitätsstandards. Zu ihren Aufgaben gehören auch Reinigungsarbeiten sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Lebensmitteln. Die Ausbildung vermittelt grundlegende Kenntnisse der Lebensmittelkunde, Küchentechnik und Arbeitsorganisation und bietet gute Perspektiven für eine Weiterqualifizierung, zum Beispiel zur Köchin oder zum Koch.
Fachkraft für Metalltechnik (Fachrichtung Montagetechnik und Fachrichtung Konstruktionstechnik)
Fachkräfte für Metalltechnik der Fachrichtung Montagetechnik und Fachrichtung Konstruktionstechnik montieren Bauteile zu Baugruppen oder Baugruppen zu Maschinen bzw. Gesamtprodukten. Es handelt sich jeweils um einen 2-jährigen anerkannten Ausbildungsberuf in der Industrie.
Schweißkurs in Zusammenarbeit mit DVS Schulungsstätte
Das Metall-Schutzgasschweißen wird in nahezu allen Bereichen der Metallverarbeitung angewendet. Der Anwendungsbereich reicht vom Schweißen dünner Bleche im Karosseriebau bis zum Fügen dickwandiger Bauteile im Stahlbau und Schwermaschinenbau.
Kurs zum Erwerb des Flurfördermittelscheins (sog. „Staplerschein“)
Gabelstapler und andere Flurförderzeuge dürfen ausschließlich von geeigneten und ausgebildeten Personen bedient werden. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) schreibt eine bundesweit einheitliche und verpflichtende Prüfung für das Fahren von Flurförderzeugen vor, mit deren Abschluss der sogenannte Flurfördermittelschein erworben werden kann.
Die Justizvollzugsanstalt Offenburg verfügt als neue, mit zeitgemäßen Standards errichtete Justizvollzugsanstalt weit überwiegend über Einzelhafträume. Eine so genannte Wohngruppe verfügt über 17 Einzelhafträume und einen Gemeinschaftshaftraum für drei Gefangene. Dazu kommen die nötigen Nebenräume wie z.B. Stockwerksküche und Freizeitraum, aber auch Dienstzimmer für Fachdienste wie Sozialarbeiter oder Psychologen.
Pro Stockwerk sind zwei solcher Wohngruppen vorhanden mit einer gemeinsamen Aufsicht für die dort Dienst tuenden uniformierten Bediensteten; pro Stockwerk können also vierzig Gefangene untergebracht werden.
In der Sozialtherapeutischen Abteilung sind die Wohngruppen dem Zweck entsprechend deutlich kleiner, nämlich jeweils vier für fünf und für zehn Gefangene.
Wie außerhalb der Mauern üblich gibt es auch für die hier inhaftierten Menschen eine Dreiteilung des Tagesablaufs in Arbeitszeit, Ruhezeit und Freizeit. Die Freizeit sollte deshalb sinnvoll ausgefüllt und als Chance auf dem Weg zur Wiedereingliederung genutzt werden.
Zwischen Straffälligkeit und Freizeitverhalten gibt es Wechselbezüglichkeiten. Die Fähigkeit, Bedürfnisse in der
Freizeit auf verschiedenen Ebenen sozial angepasst und flexibel zu befriedigen, muss im Entwicklungsprozess oft erst erworben werden.
Inhaftierte, deren Sozialisation hier Defizite aufweist, haben bisher eher einen Aufenthalt in kriminalitätsgeneigten Milieus mit
entsprechenden Betätigungen bevorzugt.
Über Hobbys, strukturierte Freizeitinteressen und sportliche Betätigung bieten sich Anschlussmöglichkeiten an nicht
kriminelle Gruppen und damit die Chance zur gesellschaftlichen Intergration.
Durch Sport- und Freizeitmaßnahmen können Gefangene auch wesentliche soziale Kompetenzen wie regelgeleitetes Handeln, Fairness, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit erwerben.
Sport und Freizeitmaßnahmen sind geeignet, Spannungen und Frustrationen abzubauen, die durch die Inhaftierung entstehen. Aggressionen, Resignation und einer Flucht in den Drogenkonsum kann so auch entgegengewirkt werden.
Die Sportangebote sind auf Mannschaftssportarten und Fitness ausgerichtet, Kraftsport spielt eine untergeordnete Rolle.
Im Freizeitbereich reicht das Spektrum von Sprachkursen über „Gehirnjogging“, Bewerbertraining und der Beschäftigung mit Literatur bis zu Yoga, (Brett-)spielen und einem Kochkurs.